1. #1
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    Salomés Monolog


    Iokanaan, in deiner tiefen Gruft
    verliefen Blicke sich in Dunkelheit,
    begehrte deine Schönheit Einsamkeit
    und Unheil schwängerte die Abendluft.

    Iokanaan, nur eines wollte ich –
    den Kuß von deinem schönen, roten Mund.
    So tanzte ich mir meine Füße wund
    und alle Edelmänner schauten mich.

    Nun ruht auf meinem silbernen Tablett
    dein Haupt, Iokanaan, vom Totenbett
    verläßt die Lippen nimmer Liebesschwur.

    Ach, hättest du die Augen aufgetan,
    um mich zu sehen, mein Iokanaan –
    car il ne faut regarder que l’amour.


    © LeVampyre | IX, Mar. 2004

    Dieser Text kann als mp3 auf meiner Homepage angehört werden.
    Bitte beachtet auch die besonderen Lizenzbestimmungen an meinen kreativen Werken!
    Eine Liste meiner bei Gedichte.com veröffentlichten Texte gibt es u.a. in meinem Sammelfaden.
    Geändert von levampyre (19.03.2006 um 23:07 Uhr)

  2. #2
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    kommt natürlich nicht ganz an osci`s vorlage. aber trotzem hübsch. kennst du auch die strauss-oper? ein muss!!! muic goes erotic
    gruass lepi
    .
    .
    "Vielleicht fing ich an zu dichten, weil ich arm war und einer Nebenbeschäftigung bedurfte, damit ich mich reicher fühlte." ROBERT WALSER

  3. #3
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    Nein, mit Sicherheit komme ich nicht an eine so wunderbare und tiefgründige Vorlage heran. Aber ich wollte das Thema schon lange verarbeiten und habe hiermit den Anfang gemacht. Ich hatte begonnen aus der Perspektive des Narraboth zu erzählen. Aber letztlich habe ich mich doch umentschieden.
    Die Strauss-Oper kenne ich. Ich kann aber noch immer nicht mit Gewißheit sagen, ob ich sie überragend oder schrecklich finden soll.
    LG Vampyre
    --LeV

    Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, schließlich ist die Auswahl groß genug. ~ J.P. Sartre

  4. #4
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    echt? also bei anderen sachen bin ich auch nicht so angefressen (elektra!!!) aber die salome...
    ist aber eben auch die geschichte, die zieht.
    was heisst dein IX über dem gedicht? gibts da in dem falle schon andere bearbeitungen?
    gruass lepi
    .
    .
    "Vielleicht fing ich an zu dichten, weil ich arm war und einer Nebenbeschäftigung bedurfte, damit ich mich reicher fühlte." ROBERT WALSER

  5. #5
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    Nein, die IX ist einfach eine Ordnungszahl, wie du sie über jedem meiner Gedichte findest. Dies ist demnach das neunte Gedicht, daß ich für würdig halte, die Dunkelheit meiner Schreibstube zu verlassen.
    Veränderte Versionen findest du meistens anbei, es sei denn ich habe sie verworfen. Dann wirst du sie nie finden...
    LG Vampyre
    --LeV

    Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, schließlich ist die Auswahl groß genug. ~ J.P. Sartre

  6. #6
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    Wie immer ein Genuß. Sogar eine Zeile in Französisch... Und das Thema ist sowieso wunderschön, die "geschwängerte Luft" passt wunderbar zur Schönheit von Lokanaan - perfekt.

    Du weißt ja, dass ich ein Fan von dir bin

    die neuesten Gedichte:
    Der Verehrer und der Verehrte

  7. #7
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    Das mag sein. Nur heißt der Typ nicht Lokanaan, sondern Iokanaan. Und er war nicht nur wunderschön, sondern auch ein Heiliger. Man sagt, er habe den Gesalbten getauft...
    LG Vampyre

    [Geändert durch levampyre am 03-03-2004 um 00:38]
    --LeV

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  8. #8
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    *fanbin*
    *fanbindeamarmtrag*
    *fanbindeamarm.tragischlässiggetragen*

    grüße.
    AB

  9. #9
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    Bildet sich da etwa ein Fanclub?

    [Geändert durch levampyre am 10-03-2004 um 22:15]
    --LeV

    Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, schließlich ist die Auswahl groß genug. ~ J.P. Sartre

  10. #10
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    kurz und grün:
    passend zur Vorlage klingt es immer mehr wie ein Stück in "Jugendstil". Nicht so ganz nach meinem Geschmack, aber formvollendet (tut mir leid, aber ich finde ja Johannes klingt bei weitem nicht so albern wie Iokanaan...aber ich weiß, ich bekomme gleich wieder was auf den Deckel, weil ich die litrarische Vorlage wieder außer Acht lasse)

  11. #11
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    Was? du findest Iokanaan lächerlich. Ich weiß nicht, Johannes heißt doch heute jeder zweite, während Iokanaan diese mystische Tiefe hat, die die ganze brisante Geschichte irgendwie mitträgt.
    Mit Jugendstil liegst du nicht verkehrt. Ich habe eine "Salomé"-Ausgabe, die mit Beardsley-Bildern verziert ist. Hat mich nicht wenig inspiriert. Aber was sag ich, das weißt du ja.
    LG vamp
    --LeV

    Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, schließlich ist die Auswahl groß genug. ~ J.P. Sartre

  12. #12
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    Ups, wie peinlich!
    die neuesten Gedichte:
    Der Verehrer und der Verehrte

  13. #13
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    Passiert halt.
    Johannes der Täufer, der der Erzählung nach auf Salomés Befehl hin geköpft wurde, heißt im wildschen Drama Iokanaan. Da das Drama, wie leporello schon trefflich festgestellt hat, meine Inspiration war, heißt er auch bei mir so.
    LG Vampyre
    --LeV

    Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, schließlich ist die Auswahl groß genug. ~ J.P. Sartre

  14. #14
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    Hallo levampyre,
    ich wollte schon lange zu "Salomes' Monolog" schreiben, kann dir natürlich nicht mit konstruktiver Kritik dienen. Da du dich eisern an alle formalen Vorgaben hältst und es dann noch schaffst, in diese Form einen Inhalt zu stellen, der völlig unverbogen sich der Form anpasst und nichts verliert, da kann ich nichts zum kritisieren finden. Inhaltlich finde ich interessant, daß du dir ja den Moment aussuchst, an dem das grausige Geschehen vorbei ist und alle Beteiligten merken, dass die "Gewinner" durch das Erreichen ihres Ziels nur verloren haben. Auch der Kuß, den Salome von den erstorbenen Lippen stiehlt ist kein Gewinn. Verstoßene Liebe... .Irgendwie hatte ja auch Salomes' Mutter da keine gute Rolle gespielt und die verschiedenen Einzelinteressen haben Teilweise eine Eigendynamik entwickelt! Armer Johannes. Es trifft meist die Unschuldigen. Du magst französich und die Franzosen können kein H aussprechen. Wild hat ja auch französich gemocht, deshalb der Iokanaan. Nur ich kann die letzte Zeile nur bruchstückhaft deuten, hat aber was mit Liebe zu tun. Es macht Spaß deine Gedichte zu lesen und sie machen nachdenklich.

    [Geändert durch krähe am 18-03-2004 um 21:54]

  15. #15
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    Na gut, dann will ich das mal aufklären...
    Die Erstausgabe der Salomé erschien 1893 in Paris. Oscar hatte das Stück tatsächlich auf französisch geschrieben, weil er die berühmte Sarah Bernhard als Salomé haben wollte.
    Ich bemitleide Johannes nicht. In Wildes Drama ist er kein Opfer (jedenfalls nicht in der französischen Fassung, die heute leider so gut wie unbekannt ist). Auch trifft Salomé keine Schlud, obwohl sie den Entschluß, Iokanaans Haupt zu fordern, aus freien Stücken faßt (nicht wie in Matthäus und Markus, von ihrer Mutter beraten). Zentral ist für Wilde der Blick. In ihm werden Begehren und sexuelle Anziehung ausgedrückt - und mit Sätzen wie "Sieh sie nicht an!" oder "Schau nicht hin!" unterdrückt.
    Der letzte Vers ist ein Zitat. Es ist Salomés Schlußsatz, der in den Übersetzungen inzwischen (schmerzhaft für mich) verlustig gegangen ist. Er bedeutet: "Nichts muß man ansehen/betrachen/beachten außer der Liebe." Damit setzte Wilde ein Zeichen, dafür liebe ich ihn, darum mein Sonett.
    LG Vampyre
    --LeV

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